Landesverband Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland

50 Jahre Peter Meyer Verlag

Zum 50-jährigen Jubiläum des Peter Meyer Verlags haben wir mit Annette Sievers gesprochen.
Erstellt am 09.06.2026


Zum 50-jährigen Jubiläum des Peter Meyer Verlags haben wir mit Annette Sievers gesprochen. Gegründet 1975/1976 vom politisch engagierten Peter Meyer im Kontext der Ölkrise und Friedensmärsche hatte er als Grundanliegen den Austausch von Informationen und die Vernetzung. Daraus entstand der Buchversand Überdruck, um Bücher und Themen zum alternativen Leben hervorzuheben, die in etablierten Buchhandlungen nicht zu finden waren. Es erschienen Bücher über alternative Läden, alternative Adressbücher und Dokumentationen zu Kommunen. Durch hohe Auflagen und übermäßigen Erfolg trug dies dazu bei, dass sich Peter Meyer eine Reise nach Indien leisten konnte.

Während einer Reise nach Barcelona, wo Peter Meyer die Katalanen beim Freiheitskampf unterstützen wollte, hatte er "Unterwegs" von Jack Kerouac gelesen. Der Auslöser für die Idee: „Jetzt mache ich Reiseführer!“ Im Zuge dieser Reise entstand der Wunsch, die Eindrücke weiterzugeben, da es keine anderen Quellen gab, die nicht nur auf Sehenswürdigkeiten eingingen, sondern auch zeigten, wo man beispielsweise billig schlafen konnte, sowie Aufklärung zu Themen wie zum Beispiel dem Kastensystem boten. So entstanden die ersten Fernreisehandbücher. Später schlossen sich andere Selbstverleger unter dem Motto „Globetrotter schreiben für Globetrotter“ zusammen. Das Programm wuchs stets unter dem Maxime, dass er die Bücher selbst schrieb.

1987 kam Annette Sievers dazu, zunächst für Korrektorat und Lektorat. 1990 erlebte der Verlag eine neue Geburtsstunde mit der Entwicklung einer neuen Reiseführerreihe mit umweltfreundlichem Konzept unter dem Namen Peter Meyer Reiseführer.

Zu den bedeutenden Werten des Verlags gehört der Grundgedanke, reispraktische Informationen zu verbreiten, vor allem das Reisen mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Bei Fernreisezielen war der PMV oft der erste, der Reiseführer zu diesen Ländern publizierte; so beschrieb man beispielsweise als Erster die Kanaren einzeln. Bis heute ist der Reiseführer zu Ghana der einzige deutschsprachige Reiseführer für dieses Land. Durch Annette Sievers, die Kunstgeschichte studiert hat, kam Kultur in die Globetrotter-Bücher des PMV.

Außerdem waren die zentralen Themen zur Natur und Nachhaltigkeit nicht nur selbst gelebt, sondern wurden auch von den Leser*innen bestätigt und gefordert. So gab es etwa Leserbriefe als Dank für Hinweise zur Brandgefahr auf Korsika oder viele Reaktionen auf den Hinweis zur schädlichen Praxis einiger Guides auf Costa Rica, die nächtliche Exkursionen zu Baby-Schildkröten anboten. Die Reiseführer klärten inhaltlich immer darüber auf, wie man Urlaub anders gestalten kann.

1991 nahm das Paar mit seinen ersten 4 Titeln erstmals mit einem eigenen Stand an der Frankfurter Buchmesse teil. Ende der 90er Jahre, inzwischen war das Programm auf ca. 50 Titel gewachsen, ließ sich eine große Veränderung der Leserstruktur durch Zeitschriften beobachten; es etablierte sich eine Häppchen-Kultur, die durch das Aufkommen des Internets noch verstärkt wurde. Zudem konnte man vermehrt billig fliegen. Durch den Anschlag am 11. September 2001 brach der Markt für Reiseführer in Nord- und Südamerika ein; dafür gab es einen Boom bei Kurzreisen. Diese Krise führte dazu, dass es beim PMV ab 2007 keine anderen Fernreiseziele außer Ghana mehr gab. Ökologisch konsequent im Rahmen der „Bodenhaftung“ wurden nur noch Ziele vorgestellt, die mit dem ÖPNV erreichbar waren. Das Buch Rheinland-Pfalz mit Kindern eröffnete eine neue, erfolgreiche Reihe und startete zugleich das Konzept, ein Buch mit einer Datenbank zu verknüpfen. Dies ermöglichte es Autoren, Lektoren und Verlegern zeitgleich an den Daten zu arbeiten. Ab 2007 war Annette Sievers allein für den Verlag und das Programm verantwortlich, zudem war es ihre Entscheidung, den Fokus auf deutsche Reiseziele und Ökologie zu setzen.

Der PMV gewann im Laufe der Jahre mehrere Verlagspreise, darunter den Deutschen Verlagspreis 2020 und 2022. In deren Begründung lag immer die Innovation des PMV, up-to-date zu sein, sowie die Pionierarbeit, wie etwa im Bereich der Familienreiseführer, wo sie ebenfalls die Ersten waren. Außerdem wurde die Professionalität sowie das Layout mit der ersten Verwendung von Griffmarken und die nachhaltige Produktion mit dem Blauen Engel sowie dem Druck auf Recyclingpapier gelobt. Die Konsequenz in diesen Bereichen wurde besonders gewürdigt.

Zuletzt rät Annette Sievers jungen Verleger*innen, dass man auch dann einen Verlag gründen kann, wenn man alt ist. Dafür brauche man Glück, Beharrlichkeit und Mut, denn „Glück macht Geld“. Wir gratulieren recht herzlich zu diesem erfolgreichen Jubiläum!


09.06.2026

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